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Geschichte

Pfarrhaus Villa Sullivan

Pfarrhaus


Dr.-Martin-Luther-Gasse 3. Zweigeschossiges und unterkellertes Miethaus aus der späteren Gründerzeit mit reich gegliederter Jugendstilfassade. Ursprünglicher Name wahrscheinlich "Villa Juvenile", nach einem Umbau in den 1930iger-Jahren in "Villa Sullivan" umbenannt, vermutlich nach dem amerikanischen Architekten Louis Henri Sullivan, der die Stahlskelettbauweise für Hochhäuser entwickelte und Lehrer des großen Architekten Frank Lloyd Wright war. Das Geländer der Innenstiege weist schöne Holzintarsien auf. Im Gang des Erdgeschosses und in der Veranda des Obergeschosses insgesamt 5 Wandmalereien des Gleisdorfer Häusermalers Gottfried Nimmrichter aus den 1930iger-Jahren mit Landschafts- und Jagdmotiven.

1914. Baubeginn, Bauherren sind Franz und Maria Prem, Bedienstete aus Gleisdorf.

1918. Baumeister Heinrich Temmel und seine Frau Aloisia werden die neuen Besitzer, die den durch den 1. Weltkrieg ins Stocken geratenen Bau fertigstellen.

1926. Das Haus wird vom Anwesen Weizer Straße 17 (heute Dr.-Martin-Luther-Gasse 1) getrennt und erhält die neue Nummer Weizer Straße 29. Die Besitzer sind Johann Wallner, Rudolf Wittmann und Elsa Temmel.

1931. Der Kaufmann Kajetan Hermann und seine Frau Maria, aus Amerika zurückgekehrte Auswanderer, erwerben das Anwesen. Durch den Anbau einer Veranda entsteht die heutige Form des Hauses, das in "Villa Sullivan" umbenannt wird.

1938. Die Evangelische Pfarrgemeinde Weiz mietet für Pfarrer Alfred Klietmann die Wohnung im Erdgeschoss der Villa.

1946. Maria Hermann, seit 2 Jahren Witwe, heiratet den Lokomotivführer Ernst Pirker.

1953. Ernst Pirker wird Witwer und heiratet die Kärntnerin Rosa Trippl.

1958. Pfarrer Erwin Theil übersiedelt nach Weiz. Die Pfarrerwohnung wird geteilt. Es entstehen eine Pfarrkanzlei und eine Schwesternwohnung für die Gemeindeschwester .

1978. Villa Sullivan bekommt die neue Hausnummer Dr.-Martin-Luther-Gasse 3.

1994. Nach dem Tod von Rosa Pirker im Jahr 1992 und der langwierigen Abwicklung der komplizierten Erbschaft wird zu Jahresende der Ankauf der Villa Sullivan durch die Evangelische Tochtergemeinde Gleisdorf perfekt.

1996. Im Erdgeschoss der Villa wird das Pfarrzentrum eingerichtet, die Wohnung im Obergeschoss wird vermietet.

2000. Beginn der umfassenden Sanierung des Gebäudes nach einer langen Planungsphase, in der die strengen Richtlinien des Denkmalschutzes mit der Nutzung des Pfarrhauses abgestimmt werden mussten.

2001. Eröffnung der renovierten Villa Sullivan. Diakon und späterer Gemeindepfarrer Karlheinz Böhmer zieht in die Pfarrerwohnung ein.

2007. Adaptierung des Kellers für Veranstaltungen.

2012. Erneuerung der Dachdeckung. Die leere Pfarrerwohnung wird vermietet.

2016. Diakon Michael Kamauf zieht in die Pfarrerwohnung ein.


Evangelische Pfarrgemeinde A. u. H. B. Gleisdorf

Selbständige Pfarrgemeinde: seit 2000
Predigtstelle in Sinabelkirchen
Seelenzahl: ca. 500
Anteil der Evangelischen an der Gesamtbevölkerung: 1,15 %
Fläche der Pfarrgemeinde: 301 km²
Die Pfarrgemeinde umfasst elf politische Gemeinden im südlichen Teil des Bezirkes Weiz:
Albersdorf-Prebuch, Gleisdorf (mit Labuch, Laßnitztal, Nitscha, Ungerdorf), Hirnsdorf, Hofstätten, Ilztal (mit Preßguts), Ludersdorf-Wilfersdorf, Markt Hartmannsdorf, Pischelsdorf (mit Gersdorf, Kulm, Oberrettenbach, Reichendorf), St. Margarethen, St. Ruprecht a. d. Raab (mit Teilen von Etzersdorf-Rollsdorf, Unterfladnitz), Sinabelkirchen.


Chronik

Reformation. 1530. Um diese Zeit bringen die Reichenburger von Riegersburg lutherische Prediger nach Gleisdorf. In der Folge wird ein Großteil der Bevölkerung protestantisch.

1570. Gleisdorf kommt unter die Vogtherrschaft von Freiberg. Die Stadler, Herren von Freiberg, setzen in beiden Gleisdorfer Kirchen (Taborkirche und Spitalskirche) evangelische Pfarrer ein.

1583. Erzherzog Karl missachtet, gestützt auf den Augsburger Religionsfrieden, die Vogtherrenrechte der Stadler und befiehlt den Einsatz eines römisch-katholischen Pfarrers in Gleisdorf.

1584. Ab diesem Zeitpunkt kommt es ständig zu Streitereien, die bis zum Militäreinsatz führen, zwischen Stadlern und der Gleisdorfer Bürgerschaft einerseits und Landesfürst und katholischer Geistlichkeit andrerseits über den Einsatz von Pfarrern.

1615. Der letzte evangelische Pfarrer muss Gleisdorf verlassen.

1628. Kaiser Ferdinand II. verweist alle protestantischen Adeligen des Landes, die sich nicht zum Katholizismus bekennen wollen. Die Stadler verlieren Freiberg an das kroatische Adelsgeschlecht der Grafen von Kollonitsch.

Neuer Aufbruch nach dem "Protestantenpatent".

1900. Die Evangelische Pfarrgemeinde Graz Heilandskirche ist für die wenigen Evangelischen in der Oststeiermark zuständig. Die Seelsorge erfolgt teils von Graz aus und teils von Fürsten-feld bzw. dessen damaliger Predigtstation Feldbach.

1922. Vikar Rudolf Carl betreut etwa 200 Evangelische und 13 Unterrichtsorte im Bereich Birkfeld-Weiz-Gleisdorf-Laßnitzhöhe. Er bezieht eine Wohnung in Weiz, das Predigtstation der Heilandskirche ist.

1925. Vikar Leopold Sperb erstellt erstmals einen genauen Jahresbericht, in dem 273 Seelen ange-führt sind, davon 38 in Gleisdorf.

1929. Umwandlung der Predigtstation zur selbständigen Pfarrgemeinde Weiz. Die Seelenzahl hat sich seit 1925 verdoppelt.

1932. Errichtung der Predigtstation Gleisdorf. Ankauf und Anlage des Evangelischen Friedhofs.

1934. Weihe der neuerbauten Gleisdorfer Christuskirche durch Superintendent Johannes Heinzelmann aus Villach und den seit 1933 tätigen Gemeindepfarrer Otto Bardy. Die Seelenzahl in Gleisdorf beträgt 247.

1938. Der 1937 gewählte Gemeindepfarrer Alfred Klietmann übersiedelt von Weiz nach Gleisdorf in die Weizer Straße Nr. 29 (Villa Sullivan). Er ist der erste evangelische Pfarrer seit der Gegenreformation, der in Gleisdorf wohnt.

1943. Eine der ersten Pfarrerinnen in Österreich, Vikarin Dr. Elisabeth Streblow aus Feldbach, vertritt den seit 1940 tätigen Gemeindepfarrer Othmar Frick, der in den Kriegsdienst eingezogen wird.

1945. Nach Ende des 2. Weltkrieges besetzen russische Soldaten die Christuskirche für 11 Wochen.

1948. Neben Gleisdorf und Pischelsdorf wird auch auf Schloss Freiberg eine zeitlich begrenzte Predigtstation eingerichtet. Seelenzahl etwa 310.

1952. Umpfarrung von Präbach zur Pfarrgemeinde Graz Heilandskirche.

1953. Systemisierung der wirtschaftlich selbständigen Tochtergemeinde A. u. H. B. Gleisdorf. Erster Kurator wird Sattler- und Tapezierermeister Richard Uitz.

1955. Weihe der neuen Kirchenglocke durch Superintendent Leopold Achberger und Gemeinde-pfarrer Erwin Theil als Abschluss umfangreicher Umbauarbeiten an der Christuskirche seit 1953.

1958. Pfarrer Erwin Theil übersiedelt nach Weiz in das neue Pfarrhaus, im Gegenzug kümmert sich nun Gemeindeschwester Brigitte Breitkreuz vermehrt um Gleisdorf. Seelenstand ungefähr 410.

1965. Erweiterung des Friedhofes.

1974. Erste ökumenische Friedhofsandacht zu Allerheiligen.

1978. Neugestaltung des Friedhofes, gründliche Renovierung von Christuskirche und Schwestern-wohnung. Die Straße von Schwesternwohnung und Pfarrkanzlei in der Villa Sullivan bis zu Christuskirche und Evangelischem Friedhof wird in Dr.-Martin-Luther-Gasse umbenannt. Seelenstand ca. 330.

1986. Errichtung einer Predigtstelle in Sinabelkirchen mit regelmäßigen ökumenischen Gottes-diensten in der römisch-katholischen Pfarrkirche.

1988. Seelenstand 380.

1994. Ankauf der Villa Sullivan als künftiges Evangelisches Pfarrhaus von Gleisdorf.

1999. Herausgabe eines eigenen Gemeindebriefes für die Evangelische Tochtergemeinde Gleisdorf.

2000. Gleisdorf wird eine selbständige evangelische Pfarrgemeinde. Seelenstand 410.

2001. Renovierung des Pfarrhauses. Austragung des steirischen Gustav-Adolf-Festes.

2006. Amtseinführung von Karlheinz Böhmer als 1. Gleisdorfer Gemeindepfarrer.

2008. Pfarrer Karlheinz Böhmer wird auch Gemeindepfarrer in Weiz.

2011. Die Pfarrstelle ist unbesetzt.

2014. Diakon Michael Kamauf versorgt die Pfarrstelle.

Christuskirche

Dr.-Martin-Luther-Gasse

Pfarrhaus


Einschiffiger kapellenartiger Bau mit eingerücktem Altarraum und ebener Holzdecke. Über dem Eingang Ansatz eines Glockenturmes mit einer händisch geläuteten Kirchenglocke (Pfundner Wien 1955). Massive Holzeingangstüre (1954), einfacher Holzaltar mit hölzernem Wandkreuz und Rundfenster (1954), Rundbogenfenster (1986). Auf dem Altar ein Messingkreuz aus Kärnten von unbekanntem Künstler und 3 Kerzenständer aus Messing. Taufbecken, Deckenluster und Wandleuchten sind Drechselarbeiten aus den Jahren 1953 bis 1962 (Karner, Weiz). Bilder im Innenraum: Kreuzvariationen, Menschen am Meer. In der Sakristei bzw. im Depot befinden sich ein geschnitztes Kruzifix (Ottokar Schimm 1944), doppeltes Holzrelief "Betende Hände" und "Herr erbarme Dich" (Franz Blaim 1989), 4 gedrechselte Kerzenleuchter (Karner, 1953 - 1962), sowie div. Antependien in allen liturgischen Farben.

1933. Baubeginn. Der Entwurf stammt von Ing. Theodor Hager, Ausführung durch Baumeister Paul Kirschner, Gleisdorf. Der heutige Altarraum ist die Totenkammer.

1934. Kirchweih durch Superintendent Johannes Heinzelmann und Pfarrer Otto Bardy.

1953. Anbau einer neuen Totenkammer und einer Sakristei durch Baumeister Heimo Kirschner, Gleisdorf. Umbau der alten Totenkammer zu einem Altarraum mit linksstehender einfacher Kanzel aus Holz.

1955. Abschluss der Umbauarbeiten mit der Weihe einer neuen 180 kg schweren Kirchenglocke als Ersatz für die im 2. Weltkrieg abgenommene.

1978. Gründliche Renovierung und Fassadenfärbelung. Die Totenkammer wird nicht mehr benötigt und in eine Sakristei umgewandelt. Aus der bisherigen Sakristei entsteht ein Abstellraum. Die Kanzel wird zur rechten Altarseite umgebaut.

1986. Erneuerung der Kirchenfenster durch die Firma Birnstingl aus St. Oswald ob Plankenwarth. Die neuen Fenster sind aus Lärchenholz gefertigt.

1989. Dränagierung und Neugestaltung der Kirchenfassade in der heutigen Form anlässlich des 60-Jahre-Jubiläums der Pfarrgemeinde Weiz-Gleisdorf durch die Firma Lieb-Bau Gleisdorf.

1995. Sanierung von Feuchtigkeitsschäden im Inneren der Kirche.

2002. Neugestaltung des Innenraums. Anbringung eines Glasdaches über dem Eingang.

2008. Erneuerung der Fassade. Ausstattung der Kirchensitze mit Polstern in Patchworkarbeit.

Evangelischer Friedhof

Pfarrhaus


Im Norden der Dr.-Martin-Luther-Gasse. Erstreckt sich über 4 terrassenartige Geländestufen, auf der zweiten steht die Christuskirche. Er ist von Form- hecken umgeben, am tiefsten Punkt im Westen steht ein großes Holzkreuz zwischen zwei Birken. Links neben dem Kircheneingang befinden sich die Gräber der Gemeinde- pfarrer Edgar Walter und Erwin Theil.

1932. Ankauf und Errichtung.

1953. Herstellung eines neuen Brunnens u. neuer Kieswege.

1965. Erweiterung durch Zukauf eines Grundstückes.

1978. Völlige Neugestaltung.

1986. Neubau von Wasser- und Abwasserleitungen u. Plattenwegen.

1987. Errichtung eines neuen Friedhofskreuzes.

2005. Erneuerung des Friedhofskreuzes.

2009. Einrichtung eines eigenen Urnenfriedhofs.



Evangelische Pfarrgemeinde A.u.H.B. Gleisdorf

www.evang-gleisdorf.at